Sarah Lindner war über zehn Jahre als Fernsehredakteurin beim NDR tätig. Sie beherrscht das Thema Visual Storytelling von Grund auf. Heute ist die Unternehmerin und Speakerin mit ihrer eigenen Firma Video Impression erfolgreich und berät Unternehmen rund um die Themen Storytelling und Bühnenpräsenz.
Auf dem Storytelling-Portal berichtet Sarah Lindner von den Zutaten einer guten Geschichte und ihrer eigenen Vision: Das Leben von einer Milliarde Menschen zu verbessern.
Storytelling-Portal: Du beschäftigst dich seit vielen Jahren mit dem Thema Storytelling vor allem im Bereich Bewegtbild. Was gehört für dich zu einer guten Geschichte?
Sarah Lindner: Zu einer guten Geschichte gehört für mich auch eine gute Emotion. Diese wird häufig vermittelt über einen Menschen, der mich begeistert. Zwischen Anfang und Ende gibt es eine Wandlung. Die Geschichte verfügt also über einen Protagonisten, Emotion und Relevanz. Lernen finde ich wichtig. Im echten Leben sind die Geschichten natürlich nicht immer perfekt. Manchmal ist der Mensch nicht so toll. Manchmal fehlt die Relevanz und ab und zu lernt man auch nichts.
Worauf kommt es deiner Meinung nach beim Storytelling an?
Sarah Lindner: Es geht darum, das Gegenüber zu erreichen. Nicht, weil man sich eine Story ausdenkt, sondern weil man mit Spannung und Wendungen Filme erzeugt, die im Kopf bleiben. Ganz besonders ist es, wenn eine Geschichte dein Leben verändert, weil sie die Leute erreicht, die sie erreichen soll. Dabei kommt es auch darauf an, den richtigen Moment abzupassen. Manchmal liest man ein Buch zweimal und auf einmal hat man die Geschichte und das Buch ist wirklich relevant.
Was muss man speziell im Visual Storytelling beachten im Gegensatz zum Beispiel zur Tageszeitung?
Sarah Lindner: Ganz wichtig beim Film ist der Anfang. Die Bilder müssen dich packen.
Die Überschrift und die ersten Zeilen müssen überzeugen. Anders als bei einem Text, der auf einer Ebene ist, hast du ein Team, das harmonieren sollte. Ein Team aus Musik, Bild, Sprecher, Text und Ton. Wie in einem guten Konzert gibt es zwischendurch auch mal nur Musik oder Pausen. Ansonsten wäre es ein bebilderter Podcast und kein guter Film.

Bevor du dich mit deiner Videoproduktion selbstständig gemacht hast, warst du als Fernsehredakteurin beim NDR tätig. Welches waren deine Aufgaben?
Sarah Lindner: Ich habe ein Volontariat beim NDR und eine Ausbildung als Videojournalistin gemacht. Anschließend war ich elf Jahre als Fernsehredakteurin tätig. Als Redakteurin habe ich Interviews geführt, das Drehbuch und die Regie übernommen. Ich war auch diejenige, die Menschen während der Dreharbeiten an die Hand genommen hat. Ich mag die echte Welt, richtige Menschen und eine Berichterstattung, die wahr und ehrlich ist.
Was motiviert dich persönlich?
Sarah Lindner: Womit ich mich sehr identifizieren kann, sind die Werdegänge von Menschen. Ich bin eine typische Unternehmerin, weil ich immer etwas machen muss. Ich mag es, wenn Menschen aufstehen und sich für etwas einsetzen, das ist das Echte. Das ist es auch, was ich möchte. Menschen mitreißen, begeistern und ihnen sagen: „Guck mal in dich rein, wer du wirklich bist!“
Welches waren spannende Storys, die dir im Gedächtnis geblieben sind – als Journalistin oder Unternehmerin?
Sarah Lindner: Die Geschichten, bei denen es eine Wendung im Leben gab. Vorher das normale Leben – jetzt das, bei dem das Herz „ja“ sagt. Zum Beispiel habe ich mal einen Film über einen Versicherungsmakler gedreht, der die Agentur seines Vaters übernehmen sollte. Nach einem schweren Unfall lag er zwei Wochen im Koma und hat beim Aufwachen nicht einmal seine Freundin erkannt. Im Krankenhaus hat er sich dann überlegt, das ist nicht das Leben, das ich möchte. Er war begeisterter Koch und hat mit einer Kochlehre noch einmal ganz von vorne angefangen. Heute hat er ein Restaurant mit mehreren Angestellten. Die Geschichte gefällt mir gut, weil es so mutig ist, diesen zweiten Weg zu gehen.
Außerdem habe ich noch ein tolles Kundenbeispiel: Ein Zahnarzt, der zu mir kam, weil er einen Imagefilm für seine Praxis machen wollte. Im Gespräch kam heraus, dass er zusätzlich eine Produktidee hatte, eine Zahnschiene, die das Schnarchen verhindert. Wir haben diese Idee gemeinsam herausgearbeitet und heute ist er Speaker für das Thema Schnarchen und deutschlandweit gefragt. Auch er hat seinen zweiten Weg gefunden und dabei das Renommee von seinem alten Job mitgenommen.
Dich faszinieren nicht nur die zweiten Wege der anderen, du hast selbst deinen zweiten Weg begonnen, bist als Speakerin und Unternehmerin erfolgreich. Was treibt dich an?
Sarah Lindner: Ich könnte verschiedene Geschichten erzählen. Die Wichtigste ist, glaube ich, die Geschichte vom außen nach innen. Dass beides zusammenpasst. Ich präsentiere mich, so wie ich bin. Früher war ich stärker vom Rollenbild der Journalistin geprägt. Heute mache ich mehr die Sachen, die ich selbst gut finde.
Ich habe früher viel auf äußere Meinungen gehört und war in der ganzen Welt unterwegs: In den USA, Afrika, Australien, China und Sri Lanka. Außerdem häufig in Lateinamerika zum Beispiel in Kuba und Mexiko. In der Botschaft in Ecuador habe ich auch meine Abschlussarbeit geschrieben. Damals bin ich viel gereist. Die Reise im Inneren ist auch spannend. Meine Vision ist, Menschen weiter zu helfen, mehr zu sich selbst zu finden. Eine authentischere Welt würde uns guttun.
Außerdem möchte ich Geld und Spiritualität zusammenbringen. Viele denken, entweder jemand hat Geld oder er ist Künstler. Meine Vision ist es, die Welt für eine Million Menschen zu verändern. Das schaffe ich nicht, wenn ich kein Geld verdiene.
Das klingt nach einer großen Vision. Was soll sich denn für die Menschen ändern?
Sarah Lindner: Manche Menschen haben alle Möglichkeiten und halten sich selbst zurück. Sie möchte ich aktivieren, ihre internen Glaubenssätze loszulassen und durchzustarten.
Außerdem sollen sich Menschen in anderen Ländern auch selbst ausleben können. Zum Beispiel, indem sie in Afrika eine kleine Firma gründen. Was mir gefällt, ist, wenn Menschen die Möglichkeit haben sich zu entwickeln, weil sie gelernt haben Geld zu verdienen.
Meine Botschaft ist: Jeder Mensch hat ein Potential. Guckt in Euch rein und entdeckt es! Wir können in der Fülle leben und Menschen dafür begeistern, ihr wahres Potential zu leben. Wenn uns das gelingt, machen wir die Welt zu einem besseren Ort.