Es ist kein Job wie jeder andere. Unternehmer*in sein, ist ein Lebensentwurf. Wie es sich anfühlt, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und früh Verantwortung für Mitarbeiter*innen zu tragen, davon erzählen drei junge Unternehmer*innen aus Franken. Katharina Zahner hat ihre Geschichte für echtOberfranken niedergeschrieben. Teil 1: Dr. Florian Bertges und Carolin von Bittner Werkzeugbau aus Coburg.

Stete Gratwanderung zwischen Freiheit, Verantwortung und sich wandelnden Perspektiven

Jeden Morgen gibt es ein eingespieltes Ritual. Dr. Florian Bertges von Bittner Werkzeugbau geht durch sein Unternehmen und gibt jedem seiner 30 Mitarbeiter die Hand. „Diese kurze Begegnung gibt mir einen Eindruck davon, wie es meinen Leuten geht. Deshalb ist sie mir wichtig und sie führt mir immer wieder vor Augen, welche Verantwortung ich trage“, sagt der Familienvater und Geschäftsführer von Bittner Werkzeugbau. Seit 2011 führt er das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Carolin.

„Manchmal habe ich schon gedacht, wenn wir den Auftragseingang nicht permanent auf gleichem oder steigendem Niveau halten, muss ich vielleicht einen dieser Männer entlassen und der hat doch Familie. Das hat mich zusätzlich motiviert.“ Wenn es dann gelingt, nach zähen Verhandlungen einen großen Auftrag zu holen, gehört das zu den schönsten Momenten des Unternehmeralltags, bei denen „auch mal die Sektkorken knallen“. Bittner Werkzeugbau ist ein etabliertes Unternehmen in Coburg, das Teile für Automobilzulieferer fertigt. „In jedem Polo, C-Klasse Mercedes und 3er BMW auf der Welt fahren Teile von uns mit und manchmal, wenn wir auf der Autobahn sind, sagen meine Frau und ich zu den Kindern: Schaut mal, da fährt wieder unsere Halte-platte 087.“

Es sind zwei Seiten der Medaille, die einem Unternehmer und Selbstständigen stets präsent sind: Freiheit und Verantwortung. Einerseits Chancen, gutes Geld zu verdienen und andererseits fehlende Sicherheit. Die Möglichkeit, seine Visionen umzusetzen und genau das zu machen, was man sich wünscht und die Notwendigkeit, immer einen Plan zu haben. Diesen stetig voranzutreiben und zukünftige Entwicklungen in der Branche vorauszusehen.

Als Florian und Carolin Bertges das mittelständische Unternehmen von Carolins Eltern übernahmen, gaben beide gut bezahlte Top-Jobs auf. Bertges war in der Geschäftsentwicklung beim Internationalen Raumfahrtkonzern EADS tätig. Carolin Bertges im europaweiten Recruiting bei der renommierten Unternehmensberatung McKinsey. „Die Kunden wollten wissen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht und die Selbstständigkeit ist eine gute Möglichkeit Beruf und Familie zu vereinbaren“, sagt Carolin Bertges. „Wenn es nachmittags mal einen Termin im Kindergarten gibt, kann ich hingehen und einfach anschließend weiterarbeiten“, sagt Florian Bertges.

Beide sind angekommen in ihrem neuen Leben. Ab und zu überfällt sie jedoch das Fernweh. „Früher bin ich ständig um die Welt gereist, heute arbeite ich meistens hier in Coburg“, sagt Carolin Bertges und ergänzt: „Aber wer weiß, was die Zukunft innerhalb einer zunehmend globalisierten Welt für unsere Firma bringt!“

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