„Wenn Sie heute etwas in die Heimatzeitung schreiben, weiß es morgen der ganze Landkreis“, sagt Dr. Roger Martin. Im Interview spricht der Redaktionsleiter des Obermain Tagblatts in Lichtenfels, über Unternehmenskommunikation und die Funktion der Tageszeitung in einer veränderten Medienlandschaft.

Dr. Roger Martin ist Redaktionsleiter des Obermain Tagblatts in Lichtenfels. Das OT ist die reichweitenstärkste Tageszeitung am Wirtschaftsstandort Lichtenfels.

Welche Rolle spielt die Tageszeitung heute in der Medienlandschaft?
Dr. Roger Martin: Tageszeitungen wie das OT haben eine Wächterfunktion. Das entspricht unserem Auftrag. Eine Tageszeitung muss unabhängig sein. Fakt ist, dass wir unser Informations-Monopol verloren haben und auch in puncto Schnelligkeit liegt online vor print. Es wird daher immer wichtiger, den Lesern Hintergrund zu bieten und Orientierung zu geben. Auf diese Weise gelingt es uns, für die Region unverzichtbar zu bleiben.

Das Thema Wächterfunktion in einer Demokratie ist ja sehr spannend und aktuell. Was gehört Ihrer Meinung nach alles dazu?
Dr. Roger Martin: Wächterfunktion auf den Journalismus bezogen heißt für mich, wachsam zu sein für Entwicklungen, die unbedingt einer Wertung und Einordnung bedürfen. Dies gilt vor allem dann, wenn ganz offensichtlich etwas schief läuft.  Seriöse Medien haben hier den Auftrag, ihre Leser und die Öffentlichkeit zu informieren und im besten Sinne aufzuklären.

Was bedeutet das Thema Onlinekommunikation für eine Tageszeitung?
Dr. Roger Martin: Die Onlinekommunikation spielt für uns heute eine große Rolle. Die Zeitungen haben sich damit ein zweites Standbein aufgebaut. Der www-Auftritt ist sehr wichtig, um sich zu präsentieren. Heute verkaufen wir uns nicht mehr alleine über die klassischen Nachrichten.

Was denken Sie: Hat sich die Qualität der Berichterstattung durch die neuen Medien und Onlinemedien verändert und sind andere Themen wichtiger als früher?
Dr. Roger Martin: Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Journalismus im Netz und Journalismus  mit  gedrucktem Wort. Die online-Zielgruppe ist eine ganz andere,  jünger und sprunghafter. Das Netz wird mit Informationen geflutet, die rasch altern. Sie müssen ständig aktualisiert und mit bewegten Bildern unterfüttert werden. Tageszeitungen und print-Journalisten können dies nicht leisten. Sie haben durch online viel größere Verantwortung für Orientierung, Zusammenhänge und Einordnung bekommen.

Zum Thema PR und Unternehmenskommunikation interessiert es die Unternehmen natürlich, welches aus Ihrer Sicht die wichtigsten Anlässe sind, über die Sie berichten?
Dr. Roger Martin: Grundsätzlich sind die Unternehmen für uns in den letzten Jahren interessanter geworden und unsere Wirtschaftsberichterstattung ist intensiver geworden. Gängige Anlässe sind zum Beispiel eine Bilanzpressekonferenz, Firmenjubiläen, Firmengründungen, Insolvenzen, wenn ein neuer Chef kommt oder abtritt, oder es größere Investitionen in der Region gibt. Allerdings muss man sagen, dass aus den Unternehmen derzeit noch sehr wenig kommt.

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