Berny Meyer ist ein erfahrener Pressefotograph. Der Sohn eines engagierten Münchner Redakteurs und Auslandsreporters war schon als Kind bei den großen Themen der Weltpolitik dabei. Heute nutzt er seine Erfahrung und Perspektive, um besondere Momente und Storys für Zeitungen, Kommunen und Unternehmen einzufangen. Mit uns hat er über das Thema Visual Storytelling gesprochen und ein paar persönliche und lustige Momente geteilt.
Du bist ein erfahrener Fotograf, welches sind deine persönlichen Lieblingsfotos, die Dir lange im Gedächtnis geblieben sind?
Eines meiner Lieblingsprojekte ist das, bei dem ich Balletttänzer in der Wildnis fotografiere. Wenn ein Mensch etwas gut kann, bewegt er sich anders in der Selbstverständlichkeit. Solche Momente versuche ich einzufangen, wenn Menschen ganz und gar in ihrem Element sind. Zum Beispiel habe ich einmal einen Japaner fotografiert, der sägt. Es ist eines meiner Lieblingsbilder, weil der Mann eine solche Ruhe ausstrahlt.

Welche Rolle spielt für Dich das Thema Storytelling?
Storytelling – Das ist mein ganzes Leben. Ich bin in der Pressefotografie aufgewachsen. Mir geht es immer darum, den Charakter im Bild zu erzählen. Jemand, der keine Ahnung von einem Thema hat, soll einen Bericht lesen wollen. Dabei ist das Bild eines der wichtigsten Medien. Andere Menschen müssen hier Wissen und Emotionen auf einen Blick verstehen.
Spannend sind oft gerade die Details. Die wichtigsten Momente der Geschichte spielen sich häufig an den Rändern ab. Zum Beispiel weiß kaum einer, dass die Amerikaner während der Oktoberrevolution mit der siebten Armee vor Moskau einmarschiert sind und wieder umdrehen mussten. Mein Vater war mit einem Leutnant befreundet, der dabei war. Gute Geschichten haben Unterhaltungswert und müssen wahr sein und von einem Zeitraum oder eine Epoche erzählen.
Mein Vater, Werner Meyer, war eine Art Legende und hat als Kriegsfotograf viele Geschichten erzählt. Auch damals beim Attentat während der olympischen Spiele 1972 wurde mein Vater angerufen. So bin ich zwischen den großen und kleinen Geschichten der Zeit aufgewachsen.
Was ist für Dich eine gute Geschichte?
Eine gute Geschichte muss wahr sein und vergangen. Sie muss Menschen berühren. Eine wesentliche Frage für mich ist, identifiziere ich mich mit den Menschen, die ich begleite oder muss ich objektiv sein? Ich persönlich identifiziere mich mit den Menschen und bin gern nah dran. So entstehen manchmal überwältigende Momente. Zum Beispiel am Bahnhof, wenn Züge mit Flüchtlingen ankommen.
Das ist für mich das Besondere am Lokaljournalismus. Die Journalisten müssen sich den Leuten stellen. Dafür ist gute Beobachtung und Ehrlichkeit nötig. Eine ehrliche Geschichte überzeugt am meisten und sie bekommen immer direktes Feedback. Diese Art des Journalismus geht uns leider immer mehr verloren. Das ist schade. Er war der offenste und der ehrlichste!
Was ist das Verrückteste, was du schon einmal für ein gutes Bild gemacht hast?
Da gibt es Einiges. Zum Beispiel stand einmal ein Hubsteiger mit einer 70 Meter großen, ausfahrbaren Plattform an der Nürnberger Burg. Dem Fahrer habe ich zehn Euro in die Hand gedrückt, damit er mich mit ihm hochfahren lässt und dann eine wunderbare Aussicht auf die Burg fotografiert. Da darf man normalerweise nicht mit der Drohne fliegen. Ein Abenteuer war es auch als ich Fallschirmspringer fotografiert habe. Da bin ich mit dem Piloten hinter den Springern hergeflogen und habe zur offenen Flugzeugtür hinaus Fotos geschossen.

Gab es bei Deiner Arbeit auch lustige Momente?
Die gab es vor allem mit Tieren. In München habe ich häufig für die Abendzeitung fotografiert. Dabei kam es manchmal vor, dass Tiere im Tiergarten mein Equipment entführt oder beschädigt haben. So schnell konnte ich gar nicht reagieren. Ein Wolf hat mir die Kappe meine Kamera gestohlen. Als ein Vogel Strauß meine Fototasche hochgehoben hat, hat der BR eine Aufnahme davon gemacht. Die konnte ich der Versicherung als Beweis schicken.
Gemeinsam mit Profis gehe ich gerne zu den Tieren auch im Circus. Ein Tiger schnurrt, wenn man ihn hinter den Ohren krault. Auch bei einem Wolf und Elefanten war ich schon im Gehege. Ein Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war der als die Bären des russischen Staatszirkus auf Schlittschuhen Eishockey gegen den Nürnberger Eishockeyclub gespielt haben.
