Fast zehn Jahre lang war sie Astronautentrainerin. Um dort hinzukommen, ist Laura Winterling nicht immer den geraden Weg gegangen. Wie sie es trotzdem geschafft hat: Mit Leidenschaft für ihre Ziele, einer guten Kommunikation sowie der Fähigkeit den Humor auch in schwierigen Situationen nicht zu verlieren.

„Im All und im Leben brauchen wir, wenn die Bedingungen komplexer werden, Kreativität und eine positive Einstellung. Dann können wir auch unter unsicheren Rahmenbedingungen Lösungen finden.“ Die Astronautentrainerin weiß, wovon sie spricht. Sie hat fast zehn Jahre lang Astronaut*innen und gesamte Teams bei der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA in Köln trainiert und auf die Mission im All vorbereitet. Beigebracht hat sie ihnen alles, was sie brauchen, „damit sie fit sind im All“: Wie sie mit Systemen umgehen, welche Experimente sie machen müssen oder wie sie sich in Notfallsituationen verhalten sollen. „Zusammengearbeitet habe ich dabei mit allen der fünf großen Raumfahrtagenturen. Der NASA, Roskosmos in Moskau, und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA sowie der kanadischen Agentur CSA in Kanada.“

Laura Winterling hat jahrelang eng mit den Astronauten-Teams gearbeitet.
Im All war sie deshalb in Gedanken oft dabei. Quelle: © esa

Obwohl sie noch nie selbst ins All geflogen ist, war sie doch jeden Tag ein paar Stunden dabei „Astronautentrainer reisen immer ein Stück mit. Die Crew sieht man über Jahre und ist an den Vorbereitungen beteiligt. Wenn der Start stattfindet, ist man in Gedanken immer dabei. Die ganzen sechs Monate.“ Ein wichtiges Erfolgsprinzip im All sei eine dezentrale Kommunikation. Astronauten müssen nicht nur miteinander kommunizieren, sondern auch mit der Bodenkontrolle über verschiedene Länder, Kulturen und Zeitzonen hinweg. „Mit einigen definierten Kommunikationsregeln gelingt es, ein Team aneinander zu binden und effektiv arbeiten zu lassen“, berichtet sie.

„Dezentrale Arbeit ist immer eine Herausforderung“, so Winterling und die ISS sei aus verschiedensten Gründen das komplexeste System der Welt. „Trotzdem funktioniert es seit 20 Jahren, dass wir Menschen auf der ISS im All haben.“ Wie diese Kommunikation aussieht, darüber spricht sie als Speakerin und Business Coach heute vor Unternehmern und Führungskräften. Vor vier Jahren hat sie ihren Mut zusammengenommen und sich mit Space Time Concepts selbstständig gemacht: Erst einmal mit einem Konzept, das interessierten Personen erlaubt das Astronautenzentrum in Köln hautnah erleben zu können. Schließlich folgten Firmen-Events rund um das Thema Raumfahrt am Standort und zu guter letzt das Keynotespeaking. Was immer schon Herzensangelegenheit war, ist jetzt zum Hauptberuf geworden – das Reden über und von bemannter Raumfahrt

„Wenn man seiner Leidenschaft folgt, ist Vieles möglich“

—Laura Winterling

„Was mich immer wieder fasziniert ist, wie das Thema Raumfahrt bei den Menschen einen Perspektivwechsel erreicht.“ Es fasziniere alle Menschen, ob jung oder alt. „Im Weltall geht es nicht mehr um Hautfarbe, Nationalität oder Geschlecht, sondern darum etwas aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten. Es geht mir auch darum, zu zeigen, was man alles schaffen kann.“ Das Leben sei nicht wie in den sozialen Medien immer einfach und toll. Wenn man seiner Leidenschaft folgt, sei aber trotzdem Vieles möglich. „Ich komme aus einer schönen Gegend, aber trotzdem vom Land, und durfte, als Astronautentrainerin mit Menschen aus aller Welt zusammen zu arbeiten“.

In ihrem Leben habe sie auch immer wieder Mut gebraucht. Den Mut Physik zu studieren, obwohl viele meinten, das wäre zu schwer. Den Mut eine Lerngruppe leiten zu wollen, obwohl sie nicht die allerbesten Noten hatte. Den Mut, den Vorgesetzten zu widersprechen, auch wenn ihr das Nachteile gebracht habe. Dieser Mut habe ab und zu seinen Preis gehabt, sie aber zusammen mit der Leidenschaft für ihren Beruf auch immer weiter geführt. „Mir ist es wichtig, dass ich mir im Spiegel immer in die Augen sehen kann und, dass ich dabei ein Lächeln sehe. Denn, wie wir uns selbst auf den Tag einstimmen, das haben wir alle in der Hand.“ Davon ist sie überzeugt. Egal wie schwer oder einfach die Zeiten sind. Egal ob im Homeoffice oder im All.

Weitere Informationen: www.spacetimeconcepts.com

Quelle Titelbild: © spacetimeconcepts

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