Kriseninterventionen planen und sich für andere Menschen stark machen. Auch dann, wenn es sonst keiner tut. Annette Packmann ist internationale HR Managerin und macht gerne Menschen Mut.

Mit Anfang 30 hat Annette Packmann im richtigen Moment spontan „Ja“ gesagt und eine Position als internationale HR-Direktorin bei einer Organisation für Entwicklungshilfe bekommen. Sie führte 600 Menschen in 16 Ländern, lernte Dankbarkeit von den Menschen, die am Wenigsten besaßen und evakuierte Mitarbeiter*innen aus Krisengebieten. Heute setzt sie sich in Unternehmen für Innovationen und eine stärkenorientierte Entwicklung der Mitarbeiter*innen ein.

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Eine wichtige Devise im Leben von Annette Packmann ist: „Mut tut gut“!

Krisensituationen – das Wort hat für die erfahrene internationale HR-Managerin Annette Packmann eine andere Bedeutung als für die meisten Menschen in Deutschland. Während mancher sich von einem Streit mit Kollegen aus der Bahn werfen lässt, bleibt sie heute auch in turbulenten Situationen meistens ruhig. Annette Packmann hat echte Krisen erlebt. Sie saß als verantwortliche HR-Direktorin in der Regionaldirektion der Hilfsorganisation World Vision als ein Fahrer während der Evakuierung von Mitarbeitern auf dem Balkan in die falsche Richtung fuhr. Die Kollegen wurden gekidnappt.

„Damals habe ich drei Nächte kaum geschlafen und rund 100 E-Mails pro Stunde geschrieben. Ich habe Kontakt zu Angehörigen und verschiedenen Ebenen gehalten und Hilfe angeboten“, erzählt sie. Die ansonsten sehr erfolgreiche Evakuierung hatte sie ebenfalls im Voraus mit der Führungsebene geplant. Damals kündigte sich der Krieg auf dem Balkan an. „Wir haben gemerkt, dass es dort ein Pulverfass gibt und Evakuierungspläne für die Mitarbeiter erarbeitet“.

Gemeinsam mit Psychologen wurden Pläne für die Krisenintervention erstellt. „Ich habe darauf bestanden, dass auch Trauma-Experten im Team sind“, erzählt Packmann. Um die evakuierten Mitarbeiter gut auffangen zu können. Das war damals noch nicht üblich. Der Krisenplan war so erfolgreich, dass er anschließend weltweit ausgerollt worden ist. Annette Packmann bleibt trotzdem bescheiden: „Bei meinem Abschied habe ich damals gesagt, ich wünschte, ich hätte noch mehr tun können“, sagt sie, der es ein Bedürfnis ist anderen Menschen Mut zu machen und ihnen zu helfen, sich auf ihre eigenen Stärken zu konzentrieren.

„Ohne Mut wäre ich heute nicht dort, wo ich bin!“

„Mut tut gut“, ist ihre Devise. Damit ist der Mut gemeint, sich etwas zuzutrauen. Aber auch der Mut, in Unternehmen auf Missstände aufmerksam zu machen oder für Schwächere einzutreten. „Selbst, wenn sich für die Person sonst nichts ändert, allein die Tatsache, dass einmal Jemand auf ihrer Seite war, kann für diese Person Vieles ändern.“ Doch wie kam es, dass sie als junge Frau von Anfang 30 die Verantwortung für 600 Mitarbeiter in 16 Ländern trug und internationale Einsätze koordinierte?

Dort hingeführt hat sie nicht etwa ein Studium, sondern der Wunsch im Ausland zu leben, verbunden mit einer einmaligen Chance. Vor allem aber ihr Mut, im richtigen Moment „Ja“ zu sagen. „Ich war damals seit sechs Wochen Assistentin des Vizedirektors von World Vision in Wien“, erzählt sie. Dann habe sie erfahren, dass die Stelle der HR-Direktorin am Standort Wien neu besetzt werden sollte. „Die Aufgabe kann ich mir gut vorstellen“, sagte sie spontan und bekam den Job. „Vermutlich hat dem Vizedirektor mein Mut gefallen. Auch wenn ich nicht ganz genau wusste, worauf ich mich eingelassen habe.“

Statt Verantwortung abzugeben, führte sie nach wenigen Monaten 600 Mitarbeiter

Die Lernkurve der nächsten Monate sei sehr steil gewesen. „Ich hatte einen Coach an meiner Seite und habe hart gearbeitet, um mir das Wissen anzueignen, welches mir andere mit HR-Studium damals noch voraushatten.“ Da der Job begehrt gewesen sei, habe sie sich anfangs nicht nur Freunde gemacht. Manchmal gab es auch Zweifel. „Wenn ich als Anfang 30-jährige Vorstellungsgespräche für eine Seniorposition mit Menschen Anfang 50 geführt habe, habe ich mich schon gefragt, ob ich alles richtig mache“, sagt sie. Die Vorfreude und Neugierde überwogen, auch wenn die Aufgaben immer größer, vielseitiger und internationaler wurden.

„Ich wäre nie, wo ich heute bin, wenn ich mich damals nicht darauf eingelassen hätte“, sagt sie rückblickend und erzählt trocken: „Zunächst dachte ich, dass die Personalverantwortung bald weniger werden würde. Stattdessen verdoppelte sich die Mitarbeiterzahl innerhalb weniger Monate auf 1200.“ Die großen Weichen stellen, Krisenszenarien erarbeiten, und die Führungsverantwortung tragen, gehörte in den nächsten Jahren zu ihrem Leben. In der gleichen Zeit lernte Annette Packmann aber auch die kleinen Dinge schätzen. „Von denen, die wenig hatten, lernte ich Dankbarkeit“, sagt sie. „Sie waren froh, wenn sie etwas zu essen, ein Dach über dem Kopf und gute Bildungschancen für die Kinder hatten.“

Gemeinsamkeit ist eine Frage der Haltung und nicht der Herkunft

Auch der Umgang miteinander und die Gastfreundschaft haben sie begeistert. „Es gab Familien, die haben zu zwölft in einer Hütte gelebt und hatten wenig. Aber sie haben dich nicht weggehen lassen, bevor du mit ihnen eine Tasse Tee getrunken hast.“ Grenzen überwinden und Gemeinsamkeiten suchen, das ist ihr wichtig. Denn: „Manchmal kommt es vor, dass ich mehr Gemeinsamkeiten mit Jemandem auf dem Flughafen in Uganda feststelle als mit Schulkameraden, die niemals aus Ober-Ramstadt weggekommen sind.“

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