Mit guten Geschichten Menschen mitnehmen und interessieren: Storytelling funktioniert auch im Bewerbungsgespräch, weiß Personalberater Hans Ulrich Gruber aus 20 Jahren Erfahrung in Top-Management und Recruiting: „Gute Storyteller bekommen häufig die besten Jobs.“

Was zeichnet erfolgreiches Storytelling im Bewerbungsgespräch aus und warum kann es trotzdem ein großer Vorteil sein, Menschen einzustellen, die keine Geschichten erzählen können, darüber spricht „ihrPersonalberater“ Hans Ulrich Gruber im Interview mit dem Storytelling-Portal.

Storytelling Portal: Herr Gruber, Sie sind seit vielen Jahren dabei, wenn Kandidatinnen und Kandidaten für Führungspositionen ausgewählt werden. Ob Konzern oder mittelständisches Unternehmen: Welche Rolle spielt Storytelling im Bewerbungsgespräch?

Hans Ulrich Gruber: Leider eine sehr dominante. Menschen, denen es gelingt, sich gut zu verkaufen, sind klar im Vorteil. Dies gilt ganz besonders beim ersten Eindruck. Da kommt es gut an und wirkt sympathisch, wenn jemand in der Lage ist, authentisch die Geschichten des eigenen Lebens zu erzählen. Wer das gut kann, kommt meistens weiter.

Warum „leider“ eine sehr dominante?

Hans Ulrich Gruber: Wir fokussieren zu sehr darauf, wie sich jemand präsentiert. Meiner Erfahrung nach sind die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft die schlechtesten Kommunikatoren. Natürlich muss man das Einstellungsgespräch in Reflexion zur Position führen. In manchen Positionen, wie dem Vertrieb, ist es sehr wichtig, sich gut zu präsentieren. Für die Buchhaltung oder andere Fachaufgaben nicht. Wem das nicht bewusst ist, verpasst manchmal die besten Leute.

Als Personalberater haben Sie häufig mit exzellenten Fachkräften zu tun, die keine geborenen Storyteller sind. Was raten Sie Ihnen?

Hans Ulrich Gruber: Als Personalberater frage ich häufig nach. Manche Themen muss man Menschen buchstäblich aus der Nase ziehen. Denn, was einem Menschen selbstverständlich ist, darüber spricht er nicht. Daher frage ich immer wieder: Was haben Sie genau gemacht? Oder: Welche Erfolge hatten Sie?

Immer, wenn Kandidatinnen und Kandidaten im Detail in die Projekte gehen und sagen: So bin ich an eine Aufgabe herangegangen und habe sie gelöst. Dann geben sie dem Arbeitgeber die Möglichkeit, sie als Person kennen zu lernen und machen ihre Erfolge und Stärken sichtbar. Deshalb mein Tipp: Führen Sie durch Ihren Lebenslauf. Zeigen Sie Ihre Aufgaben und Erfolge im Kontext und sorgen Sie dafür, dass etwas Besonderes entsteht!

Was zeichnet eine gute Geschichte Ihrer Meinung nach aus?

Hans Ulrich Gruber: Sie muss authentisch sein und es sollten Bilder entstehen. Wenn keine Bilder entstehen, ist es öde. Das hat häufig mit den eigenen Erlebnisketten oder Frusterlebnissen zu tun. Wenn es gelingt, sie aufzurufen, so dass der Chef denkt, so hätte mein Einkäufer sein müssen und das entspricht meinen Vorstellungen und gefällt mir, dann hat sie funktioniert.

Erfolg hängt dabei auch immer ein Stück weit von den Erwartungen ab. Dies gilt umgekehrt auch für die Kandidatinnen und Kandidaten. Wenn der- oder diejenige, der oder die ihn bzw. sie einstellt, im Unternehmen nicht präsent ist, dann passt die Erlebniswelt nicht, die aufgerufen wurde und es entsteht Enttäuschung.

Sie vertreten die Ansicht, dass es für ein Unternehmen auch gut sein kann, schlechte Storyteller einzustellen. Warum?

Hans Ulrich Gruber: Ganz einfach: Schlechte Storyteller empfinden mehr Stress in der Bewerbungssituation. Deshalb ziehen sie einen Wechsel nicht so schnell in Erwägung und bleiben dem Unternehmen länger erhalten.

Gemeinsam mit seinem Team sucht und findet Hans Ulrich Gruber die passenden Top-Spezialisten und Führungskräfte für etablierte mittelständische Unternehmen. In Nordbayern und auf Wunsch gerne darüber hinaus. Weitere Informationen: www.ihrpersonalberater.net

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