„Trauen Sie sich Ihre Geschichten zu erzählen oder suchen Sie sich jemanden, der es tut“, rät Daniela Koehler im Interview. Sie ist Leiterin der Unternehmenskommunikation des renommierten Coburger Familienunternehmens Kaeser Kompressoren.

Daniela Koehler ist Leiterin der Unternehmenskommunikation des renommierten Coburger Familienunternehmens Kaeser Kompressoren.
Im Interview gibt die Kommunikationschefin Tipps für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit, spricht über Trends und berichtet über ihre tägliche Praxis in der Unternehmenskommunikation eines weltweit erfolgreichen Kompressoren-Herstellers und Druckluft-System-Anbieters.
Wie hat sich die Rolle der Medien in den letzten Jahren verändert?
Daniela Koehler: Die Medienwelt hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Anzahl der Kanäle und der Formen, über die heute Informationen verbreitet werden, ist explodiert.
Storytelling ist in der Unternehmenskommunikation wichtig. Welches waren für Sie interessante Storys oder Kampagnen?
Daniela Koehler: Jede Story kann eine interessante Story sein. Es ist das Handwerk eines Kommunikationsexperten, das Besondere an einer Geschichte zu finden und hervorzubringen. Das alleine finde ich schon interessant. Nehmen wir eine Jubilar-Ehrung. Auf den ersten Blick vielleicht etwas relativ Alltägliches. Doch dann erzählt einer der Jubilare nebenbei wie sein Einstellungstest vor 45 Jahren aussah, dass er aus Draht etwas Basteln musste und wie ihm der Chef selbst dabei geholfen hat und auf einmal gibt es eine Geschichte. Spannend finde ich auch, wenn ich im ersten Moment selbst erstaunt bin, wenn ich etwas höre. Wenn zum Beispiel Druckluft dafür sorgt, dass Delfine in der Nordsee nicht taub werden oder in einem Kino in Singapur die Kinosessel so bewegt werden, dass die Zuschauer sozusagen live im Geschehen dabei sind.
Aus welchem Grund kamen Sie zu Kaeser?
Daniela Koehler: Aufgrund der Veränderung in der Medienwelt und des damit verbunden Drucks in dem sich viele Medienhäuser befinden, konnte ich bei der Tageszeitung als Leiterin der Wirtschaftsredaktion nicht mehr die Art von sorgfältigem und gut recherchiertem Journalismus machen, der mir persönlich am Herzen liegt. Also habe ich die Seiten gewechselt. Denn Pressestellen übernehmen heute immer mehr die Jobs, die früher Journalisten gemacht haben. Kaeser war mir als hervorragendes Unternehmen in der Region bekannt und als ich von der neu zu besetzenden Stelle erfuhr, habe ich die Möglichkeit ergriffen.
Wo sehen Sie die speziellen Stärken Ihres Unternehmens?
Daniela Koehler: Die Stärke von Kaeser Kompressoren ist es, gleichzeitig innovativ, international und dynamisch nach vorne strebend zu sein, dabei aber das Herz auf dem rechten Fleck zu haben und solide am Standort Deutschland verwurzelt zu sein.
Wie sieht der typische Alltag in der Unternehmenskommunikation aus?
Daniela Koehler: Den gibt es nicht. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Natürlich gibt es Themen, die wiederkommen, wie zum Beispiel Messen oder Produktneuheiten. Aber eine Vielzahl der Aufgaben kommt kunterbunt herein. Das Spektrum reicht vom spannenden Azubi-Projekt, das wir dann medial verbreiten, über interne Kommunikation, der klassischen strategischen Media- und Anzeigenplanung, bis zu Drehs für verschiedene TV- und Videofilme. Außerdem schreibe ich zum Beispiel Produkttexte, Artikel für die Fachmedien und Reden, steuere die online Kommunikation mit ein und vieles mehr. Die Themen und Aufgaben verändern sich jeden Tag.
Was raten Sie Unternehmen für Ihre Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit?
Daniela Koehler: Mein Rat an die Unternehmen ist: Nutzen Sie die Chancen, die Ihnen die heuteigen Medien bieten, um ihr Unternehmen bekannter zu machen und die Meinung über sich selbst zu prägen! Gehen Sie von sich aus auf die Medien zu. Jedes Unternehmen hat etwas, dass interessant ist und über das Sie das Unternehmen bekannt machen können. Redakteure sind immer für gute Geschichten offen. Werden Sie selbst aktiv. Im Online-Bereich liegen immens Potentiale für die Eigenwerbung. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen, mit begrenzten finanziellen Mitteln ist es hier möglich, ohne großes Budge sehr große Reichweite zu generieren. Wenn Sie selbst kein Medienprofi sind, suchen Sie sich einen externen Spezialisten, der sie unterstützt. Über Sie geredet, wird sowieso. Wer nicht kommuniziert, verschenkt das Potenzial selbst zu steuern, was kommuniziert wird und das eigen Image zu prägen.
Worauf müssen Unternehmen bei der Kommunikation besonders achten?
Daniela Koehler: Gute Kommunikation ist solide Handwerkskunst. Das bedeutet, sie sollte von jemandem gemacht werden, der sein Handwerk gelernt hat und weiß, was erforderlich ist. Oft höre ich von Unternehmen: „Ich schicke meine Meldungen ja an die Medien, aber die veröffentlichen nichts.“ Nun, vermutlich war es thematisch, inhaltlich und in der Form nicht veröffentlichungsfähig! Hier gilt der alte Spruch: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Jedes Medium hat andere Ansprüche und Voraussetzungen. Tagesmedien brauchen andere Texte und Bilder als Fachmagazine, Onlinemedien oder Social Media. Wer das weiß, es beachtet und diese Ansprüche bedient, kann mit sehr wenig finanziellem Einsatz sehr viel erreichen.
Über welche Kanäle kommunizieren Sie mit Ihrem Team für Kaeser Kompressoren?
Daniela Koehler: Wir kommunizieren medienübergreifend in allen Formen: Text, Bild und Ton. Im Printbereich spielen neben der Tageszeitung für uns die Fachmedien eine große Rolle. Daneben gewinnen alle Online- und sozialen Medien, mit denen wir junge Leute, zum Beispiel zukünftige Auszubildende, erreichen, eine immer größere Bedeutung.
Welches ist die aktuelle Rolle der Tageszeitung in der Unternehmenskommunikation?
Daniela Koehler: Grundsätzlich ist die Tageszeitung für uns nach wie vor sehr wichtig, weil sie das Medium vor Ort ist. Sie ist in gewisser Weise das Sprachrohr und der Kontakt zu den Menschen, die hier leben. Diese Menschen könnten zum Beispiel unsere künftigen Auszubildenden und Mitarbeiter, aber auch Kunden sein. Die Bedingungen für Tageszeitungen sind in den letzten Jahren immer härter geworden, aber ohne sie würde etwas Wichtiges fehlen, weil Tageszeitungen eine große Bandbreite an regionalem Geschehen und Themen abbilden, die so in keinem anderen Medium in dieser gebündelten Form zu finden ist.
Was sind für Sie die größten Herausforderungen, denen sich die Unternehmenskommunikation heute stellen muss?
Daniela Koehler: Die größte Herausforderung ist es, aus dem was man zur Verfügung hat, das Beste zu machen. Die Schnelllebigkeit und die ständig wachsende Bandbreite an Kommunikationskanälen und Kommunikationsformen bringt ständige Veränderung mit sich. Vor zwanzig Jahren gab es zu einem Thema einen Artikel mit Bild. Heute bereiten wir eine Story für unterschiedlichste Formate auf. Aus einer Geschichte wie zum Beispiel unserm Forscherinnen-Camp für junge Mädchen wird eine Meldung für die lokalen Medien mit Bild, eine überregionale Aussendung mit Experteninterview für Fachmagazine, mehrere Posts auf Facebook und Instagram, vielleicht auch Linkedin und Xing, einschließlich Video, dass dann auch noch in den Youtube Kanal und auf unserer Homepage eingebunden wird, plus evtl. Radio- und TV-Interviews und –beiträge – je nachdem, was das Thema ist. Das erfordert ein viel komplexeres Denken und schnelleres Agieren als früher und auch wesentlich mehr Know-how.
Auf der anderen Seite war es nie so einfach wie heute, sozusagen aus dem eigenen Büro heraus Menschen in der ganzen Welt zu erreichen. Wer dran bleibt, offen ist, aktiv ist und bereit, immer mal wieder Neues zu wagen, ist gut aufgestellt.